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Muhammad

Die faszinierende Lebensgeschichte des letzten Propheten


Die Zamzam-Quelle und die Besiedlung von Mekka

Mekka war ein ödes, unfruchtbares Tal ohne Ackerbau, ringsum von hohen Bergen umgeben. In der Mitte erhoben sich zwei niedrige Hügel.

In deren Nähe machte eines Tages ein alter Mann mit seiner jungen Frau und seinem Kind Halt. Nach den Strapazen der langen Reise – und sie waren von weither gekommen – kümmerte sich die junge Frau um ihr Kind, das immer noch gestillt wurde. Währenddessen errichtete ihr Mann ein Zelt, in dem sie beide Schutz finden sollten.

Aus einem abgewetzten Reisesack holte er etwas Essen und einen Schlauch voll Wasser. Dann schickte er sich an, seinen Weg alleine fortzusetzen.
Verwundert blickte Hadschar auf.
„Wohin gehst du, Abraham?“, fragte sie,
„Willst du uns etwa an diesem einsamen Ort mitten in der Wüste zurücklassen?“
Abraham antwortete nicht und ging weiter. Sie eilte ihm nach und wiederholte ihre Frage, aber er schwieg. Da begriff sie, dass er nicht aus seinem eigenen Willen heraus handelte. Ihr wurde klar, dass Allah ihm befohlen haben musste, dies zu tun.
Sie fragte: „Hat dein Herr dir befohlen, uns hier zurückzulassen, Abraham?“
„Ja“, antwortete er fest.
Diese Antwort beruhigte Hadschar. Voll Zuversicht sprach sie:
„So wird Allah, der es dir befohlen hat, uns bestimmt nicht im Stich lassen.“

Abraham nahm nun Abschied von ihr und seinem kleinen Sohn Ismael, umarmte sie beide und machte sich schweren Herzens auf den Weg. Nachdem er eine Weile gegangen war, hielt er an, erhob seine Hände zum Himmel und flehte zu Allah, Er möge seine Familie mit Nahrung versorgen und ihnen Menschen zur Gesellschaft schicken. Dann reiste er zurück nach Kanaan, woher er mit Hadschar und Ismael gekommen war.

Indessen hatte sich Hadschar mit dem Kind ins Zelt zurückgezogen und wartete ab, was die Tage brächten. Langsam verging die Zeit, und sie war mit ihrem Kind ganz allein. Ihr Glaube an ihren Schöpfer und Seinen Diener und Propheten Abraham verlieh ihr die Kraft, die Einsamkeit zu ertragen. Dieser Glaube gab ihr die Gewissheit, dass Allah sie nicht vergessen würde – abgeschnitten von Städten, Dörfern und allen anderen Menschen.

Sie wandte sich an Allah:
„Mein Herr! Abraham hat uns dir anvertraut und bei Dir ist keine Hoffnung verloren!“
Die Tage vergingen. Der Wasservorrat, den Abraham ihr gelassen hatte, war aufgebraucht.
„Herr, was soll ich machen?“, fragte Hadschar.
Sie verließ das Zelt in dem sich ihr Kind vor Durst hin und her wälzte. Wie viele Tage waren schon vergangen, ohne dass sie eine Karawane gesehen hatte! Sie bestieg einen der Hügel, um nach Wasser oder Menschen Ausschau zu halten, aber sie fand nichts. So stieg sie wieder hinunter und lief, bis sie den zweiten Hügel erreicht hatte. Dort blickte sie erneut umher, fand aber auch nichts. „Oh Allah, mein Herr, was soll ich tun?“, rief sie,
während sie ihr Gesicht gen Himmel richtete.
Plötzlich vernahm sie eine Stimme aus der Richtung des ersten Hügels. Sie eilte zu diesem zurück, um herauszufinden, was es damit auf sich hatte. Aber sie sah niemanden. Die Stimme drang ein zweites Mal an ihr Ohr – diesmal aus der anderen Richtung.
Jetzt kehrte sie zum zweiten Hügel zurück.

Sieben Mal eilte Hadschar von einem Hügel zum anderen, ohne etwas zu finden. Müde und verzweifelt kehrte sie schließlich zu Ismael zurück, um nachzuschauen, ob er noch lebte. Als sie ihren Sohn endlich erreichte, blickte sie erstaunt auf ihn herab.
„Oh, wie wunderbar!“, sagte sie überrascht,
während sie auf etwas blickte, was sich zu Füßen ihres Kindes bewegte …

Ein Trupp der Dschurhum zog in die Nähe des Tales von Mekka vorbei, als ihnen etwas auffiel, was es dort zuvor noch nie gegeben hatte. Verwundert beobachteten sie einen Schwarm Vögel, der über dem Berg Abu Qubayas kreiste.
„Was sind das für Vögel, die über den Bergen kreisen, wo kommen sie her?“,
fragte einer der Männer. Wie die benachbarten Stämme und Karawanen aus Syrien und dem Jemen wussten die Dschurhum, dass es im Inneren des Tales von Mekka weder Wasser noch Vegetation gab.
Wo lag diese Wasserstelle, von der die Vögel tranken?
Von Neugier gepackt entsandten sie zwei Kundschafter.

Hadschar traute ihren Augen nicht. Zwischen den Füßen ihres Sohnes, mit denen er den Boden aufgescharrt hatte, sprudelte klares Wasser, rege und lieblich.
Verwundert beugte sie sich über das kühle Nass, schöpfte es mit beiden Händen, um das durstige Kind trinken zu lassen und ihren eigenen Durst zu stillen. Hierauf begann sie, das Wasser mit den Händen einzudämmen und mit Sand einzuschließen, um es in ihren Schläuchen zu füllen, denn sie fürchtete, dass es verschwinden könnte.
Dabei murmelte sie immer wieder „Zummi! Zummi!“,
was so viel bedeutete wie „Dämme dein Wasser ein!“
So entstand der Name des Brunnen Zamzam.

Unterdessen vernahm Hadschar wieder dieselbe Stimme wie zuvor, sie rief ihr zu:
„Fürchte keinen Durst, denn dies ist eine Wasserquelle zur Labung aller Gäste Allahs! Und fürchte nicht die nutzlose Verschwendung dieses Wassers, denn an dieser Stelle werden Abraham und sein Sohn das Haus Allahs erbauen!“
Hadschar begriff, dass Allah sie nicht vergessen hatte. Ihr war jetzt klar, dass die wundersame Stimme von einem seiner Engel gekommen war.
Dankbar warf sie sich vor Allah nieder, um Ihm für die Wohltat, die Er ihr und ihrem Kind erwiesen hatte, zu danken und Ihn für seine Gnade zu preisen.
Hadschar sollte von nun an mit ihrem Sohn sicher in der Nähe der Quelle wohnen.

Die Kundschafter der Dschurhum waren inzwischen bis zum Grund des Tales vorgestoßen und in der Nähe der Hügel in seiner Mitte gelangt. Zu ihrer Überraschung erblickten sie ein Zelt, an dessen Eingang eine Frau mit ihrem Kind im Arm saß, neben ihr floss eine klare Quelle, die wie Silber in der Sonne funkelte.
Den beiden Kundschaftern verschlug es fast die Sprache. Wie oft schon waren sie und ihre Gefährten hier vorbeigekommen, ohne eine Menschenseele, geschweige denn eine Quelle, gesehen zu haben!
Wer war die Frau, und wer hatte das Wasser ausgegraben?
Unverzüglich kehrten sie zu ihrem Stamm zurück und erstatteten atemlos Bericht.

Sofort machte sich erneut ein Trupp erfahrener Männer auf den Weg zu Hadschar und ihrem Sohn, um sich über sie zu erkundigen.
Hadschar erzählte den Ankömmlingen ihre Geschichte. Nachdem sich das erste Staunen gelegt hatte, fragten sie höflich:
„Erlaubst du, dass wir uns in deiner Nachbarschaft niederlassen?“
Hadschar stimmte zu.
Die Kundschafter kehrten zu ihrem Stamm zurück, um sich mit ihren Angehörigen auf den Umzug in die neue Heimat vorzubereiten. Sie verließen ihren Lagerplatz und wohnten fortan in der Nähe der wundersamen Quelle.

Später kamen auch Karawanen aus Syrien und dem Jemen hinzu; sie alle entdeckten die neue Wasserstelle an der Station des Weges, an der sie sich sonst zu treffen pflegten. Sie machten nun immer wieder hier Halt, um sich mit Wasser zu versorgen und auszuruhen.
Auf diese Weise hatte Allah das Gebet Abrahams erhört. Das Wasser, das Allah für Hadschar und ihr Kind hatte hervor sprudeln lassen, brachte Menschen zu ihnen. Es brachte Karawanen, die sie mit allem versorgten, was sie an Nahrung und Kleidung benötigten, und es brachte ihnen Nachbarn, die in immer größerer Zahl vom Stamme der Dschurhum zu ihnen strömten und das Tal von Mekka mit Leben und Geselligkeit füllten.

Eines Tages kam Abraham zurück und sah mit eigenen Augen, was Allah mit seiner Frau und seinem Sohn hatte geschehen lassen. Er hatte Allah damals gebeten:

„So mache ihnen das Herz der Menschen zugeneigt und versorge sie mit Früchten, damit sie dankbar sein mögen.“ (Quran 14:37)


Seine Bitte war auf wunderbare Weise erfüllt worden.

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