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Muhammad

Die faszinierende Lebensgeschichte des letzten Propheten

 

Der Schatz der Kaaba

Quasi Bin Kilab, ein Nachkomme Ismaels, des Sohnes Abrahams, war Herrscher über Mekka geworden. Unter ihm lebten die Menschen ruhiger und zufriedener als zuvor, denn er war der erste, der Häuser bauen ließ, um innerhalb sicherer, fester Wände zu wohnen anstatt in dünnen Lauben und Zelten. Bisher hatten die Bewohner Mekkas sich gescheut, Häuser in der Nähe der Kaaba zu errichten.

Quasi machte sich daran, ein Rathaus zu bauen, in dem alle wichtigen Beschlüsse gefasst werden sollten. Auch vereinigte er die verschiedenen Ämter, die mit der Kaaba verbunden waren, in seiner Hand und verwaltete sie mit Tatkraft und Klugheit. Zu ihnen gehörte die Siqaya, die Bewirtung der Pilger, das heißt die Bereitstellung von Wasser, Dattelsaft und anderen Getränken, sowie das Heranschaffen des Wassers von weit entfernten Brunnen, die an einigen Stellen Mekkas gegraben worden waren. Außerdem schuf Quasi das Amt der Rifada, das er den Quraisch zur Pflicht machte. Es bedeutete, dass sie ihm einen Teil ihres Vermögens abzugeben hatten, damit er davon die Pilger speisen konnte. So festigte Quasi die zukünftige Macht der Quraisch. Beide Ämter wurden ach seinem Tod an seine Söhne und deren Nachkommen weitergegeben, bis sie von Abdul-Muttalib bin Haschim Bin Abd Manaf bin Quasi übernommen wurden.

Abdul-Muttalib war ein gutaussehender, freundlicher Mann von kräftiger Statur. Im Laufe der Jahre war er zu einigem Wohlstand gelangt, welchen er stets zum Wohle aller einsetzte. Zu dieser Zeit hatte er nur einen Sohn, der Al-Harith hieß. Al-Harith arbeitete hart, um Wasser aus den äußeren Bezirken Mekkas heranzuschaffen, dessen Sauberkeit zu überwachen und es für die Pilger bereitzustellen.
Als Abdul-Muttalib sah, wie sein Sohn sich abplagte, wünschte er, dass der berühmte Brunnen Ismaels, an den die Araber sich noch dunkel erinnerten, nicht zerstört worden wäre. Dann wäre Al-Harith das Amt der Wasserbereitstellung gewiss leichter gefallen! Dieser Wunsch beschäftigte ihn zunehmen; er konnte kaum noch an etwas anderes denken.

Während er eines Nachts im heiligen Bezirk nahe der Kaaba schlief, rief ihm jemand im Schlaf zu:
„Grabe nach Taiba!“ Abdul-Muttalib fragte verwirrt: „Aber was ist Taiba?“
Doch die Stimme schwieg, und Abdul-Muttalib erwachte.
In der folgenden Nacht schlief er wieder an demselben Ort, und diesmal rief jemand zu ihm zu:
„Grabe nach Barra!“ Abdul-Muttalib fragte: „Doch was ist Barra?“
Der geheimnisvolle Rufer verschwand wie in der Nacht zuvor, und Abdul-Muttalib erwachte wieder verwirrt. In der dritten Nacht rief die Stimme: „Grabe nach Madnuna!“
Als Abdul-Muttalib wissen wollte, was Madnuna sei, schwieg die Stimme abermals.
In der vierten Nacht schließlich, als die unbekannte Stimme ihn aufforderte:
„Grabe nach Zamzam!“, fragte Abdul-Muttalib mehrmals, „Und wo ist Zamzam?“
Endlich beschrieb ihm die Stimme den Ort, an dem Zamzam zu finden war.

Als die Quraisch erwachten, wunderten sie sich über Abdul-Muttalib und Al-Harith, die schon eifrig dabei waren, zwischen den im heiligen Bezirk aufgestellten Götzenbildern Isaf und Nayila zu graben – genau dort, wo sie gewöhnlich ihre Schlachtopfer darzubringen pflegen. Sie fragten die beiden, was sie da täten. Abdul-Muttalib gab ihnen zur Antwort:
„Ich grabe nach dem Brunnen Zamzam, damit die Pilger daraus Wasser schöpfen können!“
Die Männer der Quraisch wollten Abdul-Muttalib daran hindern, zwischen ihren Götzenbildern zu graben. Ihre Drohungen und Versuche, ihn aufzuhalten, ließen Abdul-Muttalib jedoch unberührt – beharrlich grub er weiter, und sein Sohn stellte sich schützend hinter ihn.
„Bei Allah! Ich werde tun, was mir befohlen wurde“, verkündete er mit fester Stimme.
Als die Männer der Quraisch ihre Entschlossenheit sahen, ließen sie die beiden in Ruhe.

Plötzlich stieß Abdul-Muttalib einen Freudenschrei aus. Die Männer des Stammes Quraisch eilten herbei und scharten sich um Ihn. Neben dem Sand und der Erde, die Abdul-Muttalib und seinen Sohn ausgehoben hatten, sahen sie einen Ring aus gemauerten Steinen. Die Männer riefen aufgeregt:
„Das ist der Brunnen unseres Stammvaters und Propheten Ismael! Wir haben ein Recht auf diesen Brunnen, Abdul-Muttalib, du musst ihn mit uns teilen!“
Abdul-Muttalib jedoch erklärte mit ruhiger Stimme:
„Das werde ich nicht tun! Die Verwaltung des Brunnens steht mir allein zu. Er wurde mir als einzigem unter uns zuteil!“ Die Männer der Quraisch gerieten in Zorn.
Lautstark beschimpften sie Abdul-Muttalib und stritten sich mit ihm um den Brunnen, obwohl sie kurz zuvor noch hatten verhindern wollen, das er überhaupt nach ihm grub. Sie schrien durcheinander:
„Wir werden keine Ruhe geben, bis wir mit dir einen Prozess um den Brunnen geführt haben!“
Doch schließlich beruhigten sie sich wieder und gingen fort.

Abdul-Muttalib und Al-Harith gruben weiter. Es dauerte viele Stunden den Sand und die Steine, mit denen der Brunnen zugeschüttet worden war, abzutragen. Doch die Mühe lohnte sich: In der Tiefe des Schachtes stieß Abdul-Muttalib zwischen den Sandmassen auf glänzendes Gold. „Oh Allah!“, jubelte er. Sofort kamen die Quraisch wieder herbeigelaufen, um zu sehen, was los war. Sie staunten nicht wenig, als er aus dem Sand Schwerter, Rüstungen und am Ende sogar zwei Gazellen aus funkelndem Gold zog. Nun stießen die Quraisch ebenfalls Jubelrufe aus. Verwundert fragte Abdul-Muttalib, ob jemand wüsste, was das für wundersame Dinge seien, die er da gefunden habe.

„Dies sind die Gaben an die Kaaba, von denen man sich erzählt, dass sie Mudad vom Stamme der Dschurhum einst vergaben habe“, bekam er zur Antwort. Alles was er gefunden hatte, verwendete
Abdul-Muttalib für die Kaaba. Aus den Schwertern ließ er eine herrliche Tür schmieden, und die beiden Gazellen aus Gold dienten als prachtvoller Türschmuck. Auf diese Weise kehrten die Gaben, die sich einst im Inneren der Kaaba befunden hatten, zu ihr zurück.

Zunächst aber grub Abdul-Muttalib unermüdlich weiter am Ort des Brunnen Zamzam, bis ihm endlich das süße, köstliche Wasser entgegen sprudelte, mit dem er von nun an die Pilger erfrischen konnte. Seine Freude war groß, aber dennoch konnte er nicht den Kummer und die Mühsal vergessen, die ihn während des Ausgrabens begleitet hatten.

Die Quraisch hatten ihn und seinen Sohn bedroht. Niemand hätte ihnen Schutz gewährt, wenn es zu einer Konfrontation gekommen wäre. Abdul-Muttalib wollte nie wieder so schwach sein. Er schwor, dass wenn ihm zehn Söhne geboren werden würden und diese das Alter erreichen würden, in dem sie ihm Stärke und Schutz gewähren könnten, er einen von ihnen opfern würde.

 

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