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Muhammad

Die faszinierende Lebensgeschichte des letzten Propheten

 

Die Geburt des Gepriesenen

Abdullah erlebte die Bedrohung durch Abraha und das Vogelwunder nicht mit, denn er war zu jener Zeit nicht in Mekka, sondern auf seiner Handelsreise nach Syrien und Palästina. Auf dem Rückweg erkrankte er schwer und musste in Medina bei der Familie seiner Großmutter bleiben, während die Karawane weiter nach Mekka zog. Als die Karawane ohne Abdullah heimkehrte, erschraken Abdul-Muttalib, Amina und die ganze Familie. Sofort schickte Abdul-Muttalib seinen ältesten Sohn Al-Harith nach Medina. Doch schon bei seiner Ankunft spürte er, was geschehen war, dass sein Bruder nicht mehr lebte. Als Al-Harith mit der schrecklichen Nachricht zurück nach Mekka kam, trauerte man nicht nur in Abdul-Muttalibs Haus, sondern in der ganzen Stadt. Der Kummer der zarten und jungen Amina jedoch war am tiefsten.
In zahlreichen rührenden Gedichten hat sie ihm Ausdruck gegeben. Ihr Kind war Halbweise, noch bevor es zur Welt kam. Ganz Mekka konnte ihr keinen Trost bieten – nur das ungeborene Kind von ihrem geliebten Mann, das sie unter dem Herzen trug. Sie konnte es kaum erwarten, das Baby zu sehen, das sie wie eine kleine Sonne in ihrem Leib spürte.

Medina wurde von zwei großen arabischen Stämmen bewohnt, den Aws und den Chazradsch. Die beiden Stämme lagen oft miteinander im Streit und hatten schon manchen Krieg gegeneinander geführt. Außerdem lebten dort drei jüdische Stämme, die Bani Qurayda, die Bani An-Nadir und die Bani Qaynuqa. Diese Stämme hatten sich auf der Flucht vor der römischen Unterdrückung in Medina niedergelassen. Sie waren mittlerweile arabisiert, was Sprache und Stammesleben an betraf, allerdings fühlten sie sich weiterhin als Träger der Offenbarung von Moses und lebten in der Erwartung eines neuen Propheten.

Zu dieser Zeit stieg eines Nachts in Medina ein Jude auf das Dach seines Hauses und rief:
„Ihr Juden!“ Als sie sich um ihn versammelt hatten, fragten sie, weshalb er sie gerufen habe.
Er verkündete ihnen, dass in dieser Nacht der Stern erschienen sei, der zur Geburt des Gepriesenen angekündigt worden war.

So wie Aminas Schwangerschaft verlief auch die Geburt ihres Kindes trotz allen Kummers leicht. Sie ließ seinem Großvater Abdul-Muttalib ausrichten:
„Dir ist eine Junge geboren! Komm her und schau ihn dir an!“
Abdul-Muttalib eilte zu Amina und betrachtete den Jungen. Er nahm das Kind in seine Arme, trug es zur Kaaba und betete zu Allah, um Ihm für dieses Geschenk zu danken.
Dann gab er ihm den Namen Muhammad.

Seine Mutter und sein Großvater machten sich große Sorgen um ihn. Selbst für Erwachsene war das Klima in Mekka damals gefährlich. Immer häufiger grassierten schwere Epidemien, an denen viele Menschen zugrunde gingen. In einer großen Handelsstadt, in die Menschen aus allen Orten der Erde strömten, um zu handeln oder zur Kaaba zu pilgern, war das kein Wunder. Die Reisenden blieben oft mehrere Monate und hinterließen nicht nur ihre Waren, sondern auch gefährliche Krankheiten.
So starben viele Kinder kurz nach der Geburt.

Daher gaben die wohlhabenden Bewohner Mekkas ihre Kinder in die Obhut von Ammen, die in den Bezirken außerhalb der Stadt lebten. Aus Liebe zu ihrem Kind willigte Amina ein, dass Muhammad einen Teil seiner Kindheit bei den Beduinen außerhalb der Stadt verbringen sollte – nicht nur, um ihn vor den gefährlichen Krankheiten zu schützen, sondern auch, um ihn in der klaren Luft der Wüste zu stärken.
Auch sollte er das Kostbare Werkzeug der Weisheit erwerben, die arabische Sprache klar sprechen lernen und einen scharfen Verstand bekommen.

Schon bald war es soweit: Die Ammen kamen, um Pflegekinder aus wohlhabenden Familien mitzunehmen. Eine von ihnen war Halima von den Bani Saad, die mit anderen Frauen des Stammes, zusammen mit ihrem Mann Harith und dem neugeborenen Sohn, den sie stillte, gekommen war, um sich einen Säugling zu suchen.

Sie erzählte: „Es war ein Jahr der Trockenheit und uns blieb fast nichts mehr, als wir mit einer grauen Eselin und einer alten Kamelstute unterwegs waren. Bei Allah, das Euter der Kamelstute war so leer, dass sie uns keinen Tropfen Milch gab. Vor Hunger weinte unser Kind so sehr, dass wir die ganze Nacht nicht schlafen konnten. Was in meiner Brust war, reichte ihm nicht. Wir hatten gehofft, dass es regnen und unsere Reise sich dadurch etwas erleichtern würde. Meine Eselin, auf der ich ritt, war so schwach und dünn, dass ich mit der Karawane nicht Schritt halten konnte, so dass die anderen es auch schwer mit uns hatten, bis wir schließlich doch in Mekka ankamen, und die Suche nach Säuglingen aufnahmen.

Amina bot ihren Sohn Muhammad einer Amme nach der anderen an, doch wir alle lehnten ab, weil er ein Waisenkind war. Was hätten seine Mutter und sein Großvater uns geben können? Amina und der Großvater des kleinen Muhammad waren sehr traurig, dass niemand den Jungen nehmen wollte. Sollte das Kind den gefährlichen Krankheiten Mekkas ausgesetzt bleiben und deshalb vielleicht früh sterben?
Außer mir hatten inzwischen alle Frauen, die mitgekommen waren, einen Säugling. Als wir uns versammelten, um heimzukehren, sagte ich zu meinem Mann:
,Bei Allah! Ich kann doch nicht ohne einen Säugling zurückkehren! Ich nehme dieses Waisenkind!´
,Tu da, vielleicht wird Allah uns durch ihn segnen´, antwortete er.
Ich nahm ihn nur, weil ich kein anderes Kind fand. Dann kehrte ich mit ihm zu unserem Lagerplatz zurück. Dort legte ich ihn an meine Brust, die plötzlich so viel Milch gab, bis er satt war. Danach trank mein eigener Sohn, bis auch er gestillt war. Dann schliefen beide ein. Vorher hatte unser Kind nicht schlafen können. Dann ging mein Mann zu der Kamelstute. Auch ihr Euter war voller Milch. Als er sie gemolken hatte, trank er, und auch ich trank so viel, bis wir richtig satt waren. Wir schliefen gut und es war eine sehr schöne Nacht für uns.


Am nächsten Morgen sagte mein Mann:
,Bei Allah, Halima, du hast ein gesegnetes Geschöpf zu dir genommen!´
,Bei Allah, dies wünsche ich´, Antwortete ich.

Auf meiner Eselstute trug ich Muhammad, während diese auf einmal so schnell lief, dass kein anderer Esel ihr folgen konnte und alle riefen:
´Oh Tochter des Abu Du´aib, hab Erbarmen mit uns. Ist das nicht dieselbe Eselin?´
,Bei Allah, es ist dieselbe!´ rief ich.
Schließlich kamen wir in unserer Heimat an. Mir ist kein Land auf Allahs Erden bekannt, das trockener ist als unseres. Doch ab diesem Zeitpunkt kamen meine Schafe am Abend immer mit prallen Eutern zurück, während andere keinen Tropfen Milch aus den Eutern ihrer Tiere holten!


Wir erlebten Allahs Güte, bis Muhammad sein zweites Lebensjahr vollendet hatte und ich ihn abstillte. Er gedieh wie kein anderer gleichaltriger Junge. Wir brachten ihn zu seiner Mutter zurück, obwohl wir ihn nach all dem Segen, den wir durch ihn erfahren hatten, gerne behalten hätten.
Also bat ich sie: .Wenn du deinen Jungen doch bei mir ließest, bis er größer ist, weil ich Angst um ihn habe wegen der Pest in Mekka!´
Ich redete so lange auf sie ein, bis sie ihn mir aus Furcht, ihn in Mekka durch die Krankheit zu verlieren, wiedergab. Wir kehrten mit ihm zurück.“


Halima berichtet weiter:
„Bei Allah, einen Monat später spielte Muhammad mit seinem Milchbruder draußen, als unser Sohn rief:
,Zwei Männer mit weißen Kleidern haben meinen quraischitischen Bruder zu Boden gelegt und seinen Bauch geöffnet, und sie schütteln ihn!´
Wir eilten hinter die Zelte, sahen ihn dort mit blassem Gesicht stehen und fragten:
,Was hast du, mein Kind?´
,Zwei Männer, weiß gekleidet, kamen zu mir, legten mich nieder, öffneten meine Brust und suchten etwas darin, ich weiß aber nicht, was sie suchten!´
Ganz gleich, wie oft wir die Kinder befragten, sie erzählten immer wieder dieselbe Geschichte. Wir brachten Muhammad zum Zelt zurück.“


Das seltsame Erlebnis verunsicherte die Familie der Amme. Was war mit dem Kind?
War es krank oder gar von einem bösen Geist besessen?
„Halima, gib ihn unverzüglich seiner Familie zurück!“, rief ihr Mann.

Halima und Harith brachten den kleinen Muhammad also wieder nach Mekka zu seiner Mutter.
Überrascht fragte sie:
„Was hat dich wieder zu uns geführt, oh Halima?
Du hattest dich doch dafür eingesetzt, dass er noch bei dir bleibt!“
„Das ist richtig, aber Allah hat das Kind wachsen lassen und ich habe meine Aufgabe getan.
Ich mache mir Sorgen um ihn und bringe ihn dir, wie du es auch wolltest, zurück!“

„Das ist nicht dein Ernst. Bitte sei ehrlich mit mir!“
Amina bedrängte die Amme so lange, bis diese ihr alles erzählte.
„Hast du Angst bekommen? Fürchtest du den Satan?“
„Ja“, gab Halima zu.
Amina beruhigte sie:
„Nein, bei Allah, der Satan kann ihm nichts anhaben! Große Dinge warten auf meinen kleinen Sohn.“
Dann verabschiedete sie sich von Halima, indem sie sprach:
„So lass ihn denn hier und komm gut nach Hause!“

Mutter und Sohn freuten sich, endlich zusammen zu sein und verbrachten drei glückliche Jahre in Mekka. Muhammad verstand sich gut mit seinem gleichaltrigen Onkel Hamza und seiner etwas jüngeren Tante Safiya; die drei wurden unzertrennliche Freunde.

 

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